Figur spiegelt ein Jahrhundert wieder
SIGMARINGEN-LAIZ
(Von
SZ-Redakteur Tobais Wagner Schwäbische Zeitung v. 8.6.2000 Nr. 131)
Die ersten
Regenschauer hat die Brunnenfigur „Millennia" in Laiz bereits hinter sich.
Jetzt steht sie fest auf dem Platz vor dem Rathaus. Am Samstag, 17. Juni,
wird die offizielle Eröffnung stattfinden.
Sie breitet die Arme aus, erscheint von Ferne wie ein Kruzifix: Die „Millennia" - Brunnenfigur, die am Dienstag in Laiz enthüllt wurde. Ein ungemütlicher Empfang mit Regenschauern erwartete die Figur: „Das erschwerte die Montagearbeiten - schließlich muss ja die Klebemasse trocknen", erinnert sich Ursula Stock, die in Güglingen bei Heilbronn lebende Künstlerin, die diese Figur geschaffen hat und am Dienstag bei den Montage-Arbeiten mit dabei war.
Mit der Millennia erfährt der Platz vor dem Laizer Rathaus den letzten Schliff - ein harmonisches Ensemble, flankiert vom liebevoll gestalteten Backhaus der Narrenzunft, Natursteinen und einer Bocciabahn. 720 000 Markwird die gesamte Gestaltung des Platzes am Ende gekostet haben.
Blickfang und ideelles Zentrum ist der Brunnen mit seiner zum Himmel strebenden Brunnenfigur. Und hier gibt es einiges zu entdecken: Erst einmal begegnet der Betrachter sich selbst - in einigen kleinen Spiegeln an der Figur. Lässt er den Blick schweifen, stößt er auf eine Vielzahl von Symbolen (Anm.: Die Brunnenfigur nimmt die Achse Rathaus - Kirche auf. Aus der rechten Hand fließt das Wasser der Vergangenheit, aus der linken strömt das der Zukunft. Das Gesicht des vergangenen Jahrhunderts zeigt Richtung Kirche und ist mit einer Maske verdeckt. Aus den Maskenaugen rinnen die Tränen der Vergangenheit. Aus dem Hinterkopf der alten Maske klafft das junge, aufschauende Zukunftsgesicht. Die Aluminiumwand rechts ist abgebrochen und symbisiert die Vergangenheit. Die Aluwand links, in der sich der Betrachter spiegeln kann, wird von der linken Hand zukunftsweisend durchstossen). „Viele Menschen wollen, dass man ihnen diese Symbole möglichst lückenlos erklärt", so die Erfahrung der Künstlerin. Sie sieht in diesen Erklärungen eher Denkanstöße. Denkanstöße, die den Betrachter dazu bewegen sollen, über die bloße äußerliche Erscheinung der Figur hinweg den Faden weiter zu spinnen.
Brunnen sind seit alters her Zentren des Gemeindelebens. Dass der Laizer Brunnen auch ein solches Zentrum, ein Ort der Begegnung werde, das wünscht sich die Künstlerin und erinnert sich an Brunnen, die sie bereits in ihrer Heimatstadt Güglingen geschaffen hat. „An dem Weinbrunnen in Güglingen treffen sich die Menschen, hier finden Feste ihr Zentrum - ein Ort der Begegnung", freut sich die Künstlerin.
Ein Dutzend dieser Kunstwerke gibt es von ihr bereits in der Region, dazu auch weitere Arbeiten wie Wandmalerein und Glasgestaltung. Dass hier Kunst mit Gewicht entsteht, das fiel Bürgermeister Wolfgang Gerstner bereits bei der Ausstellung der Künstlerin im vergangenen Jahr in der Galerie „Alte Schule" auf. „Er hat sich dort eine Grafik gekauft und anschließend Kontakt mit mir aufgenommen. Dass die Brunnenfigur jedoch ein Jahrspäter stehen würde, das hat mich selbst überrascht", gesteht die Künstlerin. Als könne es die „Millennia" nicht erwarten, auf dem kürzesten Weg zu ihrem Platz zu eilen, ging das Verfahren im Schnelldurchlauf über die Bühne: Im Herbst besuchte eine Grupppe von Gemeinderäten die Künstlerin in ihrem Atelier, Wochen später stand der Entwurf auf dem Sitzungstisch im Rathaussaal. Nachdem das Okay gegeben war, begann die Arbeit. Vor zwei Wochen dann der gemeinsame Besuch in der Gießerei. Erst der Laizer Regen hat die letzten Stäubchen der „Millennia" abgewaschen.
Die offizielle Einweihung der Statue
wird am Samstag, 17. Juni ab 10.30 Uhr auf dem Rathausplatz in Laiz stattfinden.
Es spielt die Musikkapelle Laiz zusammen mit dem Kirchenchor. Bürgermeister
Wolfgang Gerstner und Ortsvorsteher Lothar Scheit begrüßen die
neue Figur mit Ansprachen. Auch die Künstlerin Ursula Stock wird anwesend
sein und ihr Kunstwerk vorstellen. Pfarrer Kurt Hoffmann segnet die Figur
im Anschluss. Bürgermeister und Ortsvorsteher eröffnen gemeinsam
mit den Ortschaftsräten die Boccia-Bahn.